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Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
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Krieg spielen für 25 Pfennige

Schüler recherchieren zur Feldbefestigung auf der Ochsenheide
von Burgit Hörttrich

 
Bild vergrößern - die Max-Planck-Gymnasiasten Clemens Weinmann, Dorian Tsolak, Jill Tönsmann, Tobias Fein, Pola Vollmer und Joel Bellmann, Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs (v.l.)
BIELEFELD (WB). - Am 27. Juni 1915 zogen fast 3000 Bielefelder zur Ochsenheide, um dort einen Schauschützengraben samt Spanischer Reiter, Drahtverhau, Stolperdrähten, Verbandsplatz und Feldküche in Augenschein zu nehmen. 10 Pfennig für Kinder, 25 Pfennig für Erwachsene kostete der Eintritt der „Kriegs-Kirmes“.

Das 131. Regiment hatte die so genannten Feldbefestigungsanlagen gebaut, um den Zivilisten zu zeigen, wie vermeintlich sicher die Soldaten im Kriegseinsatz waren. Zwölfklässler des Max-Planck-Gymnasiums recherchierten zum Thema – der lokalhistorische Aspekt zur Ausstellung „Der Krieg auf der Bildpostkarte“, die an diesem Sonntag im Bauernhausmuseum eröffnet wird.

Gezeigt wird die Bildpostkarten-Ausstellung mit 60 Exponaten in sechs Abteilungen zum 90. Jahrestag der Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (16. Dezember 1919). Die Karten stammen aus der Sammlung von Prof. Dr. Sabine Giesbrecht, die vor allem auf Flohmärkten mehr als 8000 dieser Grüße von der Front an die Lieben daheim und umgekehrt erworben und ausgewertet hat. Stefan Schmidt, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes, betont, dass die Bildpostkarten nicht nur den Hurra-Patriotismus von 1914 widerspiegeln („Der Kaiser rief und alle, alle kamen“), sondern auch realistische und sogar kritische Darstellungen dabei sind. Zum Beispiel von der Heimatfront aus dem letzten Kriegsjahr: Mal wird der Kuss als Zuckerersatz angepriesen, mal eine „Todesanzeige für den letzten Brotlaib“ abgedruckt, mal ein „Bürgerliches Kochrezept“(Man nehme die Fleischkarte und eine Eierkarte und brate beides in der Butterkarte schön braun…).

Der Bielefelder Teil der Ausstellung zeigt zum einen das einzig erhaltene Foto des Schau-Schützengrabens, zum anderen die Zeichnung der Anlage, angefertigt von dem damals 16-jährigen Schüler Kurt Krüger, der den Realschul-Zweig des Ratsgymnasiums besuchte. Die Skizze sei, so Dr. Jochen Rath, Leiter des Bielefelder Stadtarchives, in einem „über Jahrzehnte nicht beachteten Karton“ entdeckt worden. Die Max-Planck-Gymnasiasten recherchierten zur Feldbefestigungsanlage und zum Leben Kurt Krügers. Der wurde 1917 zum Kriegsdienst eingezogen, lag an der Flandern-Front selbst im Schützengraben. Er überlebte, war später Kaufmann in Berlin und starb 1992. Nach der Eröffnungs-Euphorie des Schau-Schützengrabens ist wenig überliefert; unbekannt ist, wie groß die Anlage war. Sicher ist: Der Graben wurde 1921 aus Anlass des Internationalen Sozialistischen Jugendtages in Bielefeld zugeschüttet.

Museumsleiterin Dr. Rosa Rosinski wünscht sich viele Schülergruppen in der Ausstellung, Stefan Schmidt hofft auf Interesse für die Arbeit des Volksbundes, sagt „Allein in diesem Jahr organisieren wir 70 Workcamps für Jugendliche in 20 europäischen Ländern. Friedensarbeit.“ Dr. Rath nennt Zahlen: „Im Ersten Weltkrieg sind 2300 Männer aus Bielefeld gefallen; die Stadt hatte damals 80 000 Einwohner.“
An die Kriegsjahre erinnern zudem Kriegssterbefallakten. Eine davon ist bei dem Namen Rudolf Oetker aufgeschlagen: Er fiel am 8. März 1916 vor Fort de Vaux (Lothringen):

Fakten auf einen Blick

Die Ausstellung „Der Krieg auf der Bildpostkarte“ wird an diesem Sonntag um 11.30 Uhr im Bauerhausmuseum an der Dornberger Straße eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 11. April zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Für angemeldete Schülergruppen (Sekundarstufe II) werden Führungen angeboten. Anmeldung unter 0521/218550.

Mit freundlicher Genehmigung des Westfalen-Blatts
www.westfalen-blatt.de

 
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